Grenfell Feuer: SmartHome und SmartCity

Was lehrt uns die Brandkatastrophe in Bezug auf SmartHome und SmartCity?

Die Überlebenden berichten, dass es keinen Alarm gab, viele Rauchmelder seien nicht angegangen und niemand hätte bei allen Bewohnern geklingelt. Die tragische Brandkatastrophe im Grenfell Tower zeigt: Bereits eine simple Brandmeldeanlage hätte Menschenleben retten können. In diesen Tagen wird viel über SmartCity und Smart Home nachgedacht. Ich möchte in diesem Post aufzeigen, wie man mit smarten Technologien dem Thema Wohnungsbrand mit Technik begegnen könnte.

Wenn Rauchmelder sprechen könnten

Intelligenter Rauchmelder von Kalo

Rauchmelder sind ein wichtiger erster Schritt. So sie denn funktionieren. Laut Augenzeugen aus dem Grenfell Tower war dies nicht der Fall. Schuld könnten leere Batterien oder durch Staub oder Insekten verstopfte Ventilationsschlitze sein. Auch werden Rauchmelder bei zu vielen Fehlalarmen oft einfach ganz entfernt.

Stand der Technik heute
Bei uns hat die Wohnungsverwaltung vor einigen Wochen neue Rauchmelder installieren lassen. Die High-Tech Geräte sehen nicht nur Rauchpartikel, sondern messen auch die Temperatur. Zudem erkennt der Melder, ob Möbelstücke zu nah am Melder stehen und die Zirkulation des Rauchs behindern. Auch ob der Rauchmelder abgenommen wird erkennt das Gerät. Die Daten werden per Funk übertragen. Denn das ist vermutlich der Hauptgrund für die neuen Melder: Man muss nicht mehr in die Wohnungen und die Rauchmelder zu warten. Die Wartung erfolgt über Funk, ohne die Wohnräume betreten zu müssen. Das spart immense Kosten und finanziert den technischen Segen. Automatische Meldungen an die Rettungsdienste erfolgen damit noch nicht.

Rauchmelder der Zukunft
Würde man die Bauzeichnungen von Gebäuden generell als 3D Daten haben (ein Haus zu digitalisieren ist heute kein Problem mehr) könnte man die Rauchmelder Positionen in den Plänen vermerken. Mit Direktverbindung zur Feuerwehrzentrale und weiteren Sensoren (Mirkofon, Bewegungsmelder) wäre im Brandfall einsehbar, in welchen Wohnungen sich Personen befinden. Das große Problem – herauszufinden wo im Gebäude sich wie viele Personen befinden und wo der Brandherd ist, wäre damit gelöst. Basierend auf Open Floor Plan / CityGML können sich die Rettungskräfte 3D Karten der Innenräume und sichere Routen zu den Personen anzeigen lassen. Auch gefährdete Gebäude in der näheren Umgebung sind so erkennbar. Die Rettungskräfte könnten automatisiert Vorschläge erhalten, wie viele Rettungskräfte / Krankenwagen benötigt werden. Ein Lautsprecher im Rauchmelder ermöglicht es den Feuerwehrleuten Anweisungen durchzugeben. Mit dem Lautsprecher als Gegensprechanlage im Rauchmelder können Bewohner auf Probleme wie Menschen im Rollstuhl oder andere Transportprobleme).

Spezielle Anlagen in Treppenhäusern erkennen, wenn Rettungswege in Fluren und Treppenhäusern durch Gegenstände verstellt sind (Kinderwagen, Rollatoren, Möbel, etc.) und erkennen, ob das Flurlicht funktioniert. Probleme werden sofort an die Hausverwaltungen gemeldet und bei den Rettungsdiensten Protokolliert. Auch Fahrzeuge, die in Parkverbotszonen Rettungswege zuparken können automatisch erkannt und das Abschleppen zental veranlasst werden.

Entwicklung der zukünftigen Warnmelder

Für das Konzept müssen offene Standards entwickelt werden, an dem viele Länder mit arbeiten. Je nach verfügbarer Infrastruktur wird es unterschiedliche Ausprägungen der Warnsysteme geben müssen. Gerade was die Anbindungen an Wohnungsverwaltungen und Rettungszentralen betrifft. Damit die Lösung möglichst kostengünstig wird und nicht an Patenten scheitert, sollte eine OpenSource Lösung gefordert werden. Das bedeutet: Die Beteiligten Firmen erhalten Geld für ihre Entwicklungsarbeit, doch das Ergebnis darf jeder produzieren und vertreiben. Nur so wird es möglich sein die Kosten so gering zu halten, dass die Geräte in der Wohnungswirtschaft realistisch einsetzbar sind.

Katastrophen Infomations-Infrastruktur

Auch Grenfell hat wieder gezeigt, dass die Suche nach Angehörigen und die Ungewissheit ein großes Problem sind. Facebook hat hier eine Lösung entwickelt, die in KatastrophenfällenMenschen vor Ort bittet, zu bestätigen, dass sie in Sicherheit sind und so Freunde und Angehörige informiert. Damit solche Themen Rettungskräfte nicht binden, wäre eine Lösung toll, in der man schnell erfahren kann wer in Sicherheit ist und in welche Krankenhäuser Opfer gebracht wurden. Auch hier können Daten aus den Wohnungen helfen. Auch eine zentrale Informationsstelle, wo welche Spenden gebraucht werden, was abgegeben wurde und wie viele Lagerkapazitäten noch frei sind wäre hier denkbar. Auch eine Möglichkeit Notunterkünfte zu finden oder anzubieten wäre Sinnvoll. Zudem eine Liste von Kontaktmöglichkeiten für psychologische Betreuung, oder weitere Hilfsleistungen.

Datenschutz

Bei all der Technik-Euphorie dürfen wir nicht aus den Augen verlieren: Die Privaträume des Menschen sind ein geschützter Ort, wo Technologien wie Mikrofone einen Massiven Eingriff bedeuten können. Bei jedem Gedanken über SmartHome und SmartCity muss das umfassend berücksichtigt werden. Bereits CO2 Sensoren sind in der Lage zu erkennen, wie viele Personen sich wann in welchem Raum aufhalten. Oft können Geräte, die für einen guten Zweck gedacht sind, zu vielen andere Dinge missbraucht werden (Dual Use). Open Source auch daher, dass jeder zu jederzeit weiss und überprüfen, was die Geräte können und was die Software tut, die auf ihnen läuft.

Als ich bei der Firma Kalo anfragte, ob ich deren Bild verwenden darf, bekam ich auf meine Zukunftsideen eine sehr erfreuliche Reaktion: Bei den Gedanken über zukünftige Möglichkeiten vernetzter Lösungen mit mehr Sensoren lag ständig ein Augenmerk auf Datenschutz. Man merkte, dass die Fragen nach dem Datenschutz nicht nur einer Überlegung sondern aus einer generellen Haltung heraus entstanden. Es ist ein sehr gutes Zeichen, dass bei den Anbietern in der Praxis solche Einstellungen herrschen. Wir müssen darüber nachdenken wie die Zukunft aussehen könnte und vor allem, wie man das Dual-Use Problem in den Griff bekommt, dass es in allen Einsatzgebieten smarter Gräte gibt.

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