Kein Ort für digitale Kids

Kinder und Jugendliche brauchen betreute Orte wo sie ihre digitalen Projekte verwirklichen und sich mit anderen treffen können

Calliope Mini Girls’Day Projekt

Es betrifft alle, nicht nur „Computerbegabte“

Am 27. April fand bei uns im Unternehmen  der Girls’Day statt. Da wir bei erminas Dinge digitalisieren, wollte ich genau das mit den Mädchen tun. „Erstellt eine digitale Lösung für ein lebenswertes Hamburg“. Doch was die Mädchen an diesem Tag tun würden, haben wir nicht erwartet: Im Design Thinking Prozess (Brainstorming mit Fokus auf die Probleme und Wünsche der Menschen) haben die Mädchen Radwege als generelles Problem für Menschen in Hamburg identifiziert. Sie hatten die Idee, mit dem Schulcomputer Calliope Mini ein Gerät zu bauen, dass Alarm gibt, wenn ein Fahrzeug dem Rad zu nahe kommt. Genau das haben sie anschließend gebaut. Nach 5 Stunden hatten sie einen funktionstüchtigen Prototypen am Fahrrad montiert. Und wir standen vor einem Problem. Denn die Mädchen wollten an ihrem Projekt weiter machen. Doch wie? Wo? und wer betreut das und stellt sich als Mentor?

Die Mädchen auf dem Girls’Day

Warum erzähle ich das? Die Mädchen waren im Schnitt 12 Jahre alt und hatten keine Programmierkenntnisse. Es waren eben nicht die Kids mit extremer Computerbegabung, wie wir sie bei Jugend Hackt haben. Es ging uns darum, dass die Kinder nicht einen Lego Roboter bauen, der über den Tisch rollt. Ohne Vorkenntnisse in Programmierung haben sich die Mädchen mit minimaler Hilfestellung eine Lösung für „Real world Problems“ ausgedacht und gebaut. Das zeigt, was wirklich in Lösungen wie dem Calliope Mini steckt. Oder eigentlich vielmehr in jedem Jungen und jedem Mädchen. Der Calliope gibt den Kids die Möglichkeit, dieses Potenzial zu erwecken und zu nutzen. Wenn Kinder merken, dass sie schnell etwas funktionierendes erfinden und umsetzen können, dass gesellschaftliche Probleme löst, ist Digitalbildung wirklich am Ziel. Das ist möglich geworden, weil die Lösungen für digitale Projekte so unglaublich vielseitig und zugleich so einfach bedienbar geworden sind.

„Häng nicht dauernd vorm Rechner! Triff dich mal mit wem.“

Gerade wird der Calliope Mini in vielen Schulen in ganz Deutschland ausgerollt. Sehr viele Kinder lernen in Kürze in der Schule, wie man Calliope einsetzt.Viele werden dann privat damit etwas bauen wollen. „Endlich mal was Sinnvolles statt dauernd nur Computerspiele und WhatsApp“ werden viele Eltern jetzt hoffen. Doch wenn man solche Projekte baut, braucht man Quellen für Ideen und Hilfe bei Problemen. Die Finden die Kids nicht bei den Eltern. YouTube wird deren Quelle für Ideen und Anleitungen sein, wenn wir nicht Räume schaffen, in denen die Kinder sich treffen und ihre Projekte bauen können.

Bibliothek als Lösung

Calliope Mini am Modell Windrad

Wir haben unsere Girls’Day Mädchen beim Verein Code for Hamburg untergebracht, der eigentlich gar nicht für die Betreuung von Kindern ausgelegt war. Solveig Schröder hat sich bereit erklärt, ihre private Zeit zu opfern, weil sie ebenfalls von den Mädchen begeistert ist. Aber das kann kein Modell sein. Es braucht einen Ort an dem man sich treffen kann, wo es Computer und Internet gibt und der in jeder Stadt verfügbar ist. Es gibt heute viele kleine Initiativen, aber nichts Flächendeckendes. „Bibliotheken sind der Ideale Ort, um so etwas zu realisieren.“ sagt Hanno Sternburg, Mitglied des Orga Teams von Jugend Hackt Hamburg. Wichtig ist: Die Kinder brauchen keinen Unterrichtsplan, keine Lehrer. Sie brauchen Mentoren die da sind und Fragen beantworten können, bei der Umsetzung von Ideen erklärend helfen können. Die Hauptaufgabe von Mentoren ist, zu schauen, dass die Gruppe funktioniert und sich bei Kindern mit unterschiedlichem Fähigkeitsniveau jedes Kind wohl und eingebunden fühlt.

Wie können wir es angehen?

Der Calliope hat der digitalen Bildung ein Ding gegeben, dass man anfassen kann. Das ist einer der Erfolgsfaktoren. Ich würde mir wünschen, dass im Fahrtwind des Calliope Mini eine Initiative folgt, die solche Orte für Kids flächendeckend deutschlandweit schafft. Aus der Praxis von Jugend Hackt wird klar, dass man so etwas nicht mit ehrenamtlichem Engagement schaffen kann. Wir müssen Geld dafür in die Hand nehmen und Menschen bezahlen damit das Projekt gelingt. Immerhin investieren wir hier in den Wirtschaftsstandort Deutschland! Es muss einen deutschlandweiten Stab geben, der das ganze Koordiniert und organisiert. Die Orte und Mentoren können vielleicht am besten nach dem Konzept eines gemeinnützigen Franchise aufgebaut, ausgerollt und koordiniert werden. Wie eine Kopiervorlage die sich mit wenig Aufwand nutzen lässt. Doch das sollten wir in einer größeren Gruppe diskutieren.

Ich halte daher Ausschau nach Gleichgesinnten aus allen Bereichen der Gesellschaft, die Interesse haben, die Idee auszuarbeiten und vorwärts zu bringen. Wir müssen alle mit Erfahrung und Einfluss zusammenbringen, damit ein Ort für digitale Kids bundesweit entstehen kann. Bei Interesse bin ich über Twitter @crismancich und boris.crismancich@gmail.com zu erreichen.

Diesen Artikel teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.