Hamburg braucht ein digitales Ökosystem

Was Hamburg vom Silicon Valley lernen kann und welchen Fehler der Senat vermeiden muss

Hamburg will eine feste Größe unter den digitalen Städten der Welt werden. Als Smart City für die eigenen Bürger aber auch als die Stadt, in der digitale Unternehmen mit weltweiter Relevanz entstehen.

Für die Menschen im Silicon Valley ist Digitalisierung kein Job, es ist ihr Leben, das Thema, dass sie treibt, die Gedanken, die sie 24 Stunden begleiten. Es wird über Ideen gesprochen und genetzwerkt, egal ob im Cafe, beim Mittagessen, auf Parties. Eine ganze Stadt, deren Gedanken ständig darum kreisen, was die nächste gute Idee ist und wie man sie umsetzt und vermarktet. Das Silicon Valley ist so stark, weil sich Menschen mit Idealen, Visionen und Leidenschaften auf Menschen aus den verschiedensten Branchen treffen, die das Know-How zur Umsetzung haben sowie auf diejenigen, die das nötige Kapital besitzen. Im Silicon Valley finden sie die spezielle Infrastruktur, ein solches digitales Ökosystem braucht:

Co-Working Space

Co-Working Space Werkheim Hamburg
Co-Working Space Werkheim Hamburg

Co-Working Spaces sind große Büroräume, in denen Freiberufler, Kreative und kleine Startups flexibel einzelne Arbeitsplätze oder kleine Büros mieten können. Der Co-Working Space stellt hierbei die gesamte Infrastruktur (Internet, Drucker, Besprechungsräume, Beamer etc) zur Verfügung. Die Spaces sind meist so gestaltet, dass sie den Austausch zwischen den Anwesenden fördern.  Hierzu werden auch Workshops , Veranstaltungen und gemeinsame Aktivitäten angeboten. In Hamburg gibt es mehrere Co-Working Spaces mit ganz unterschiedlichem Flair und Preisniveau, was sich stark auf die ansässigen Unternehmen auswirkt.

Das Betahaus ist beispielsweise ein Ort, an dem viele Idealisten tummeln, viele Unternehmen und Projekte hier drehen sich um gesellschaftliches und ökologisches Engagement. Hier finden besonders viele offene Workshops statt, in denen technisches Know-How vermittelt wird. Auch digitale Bildung von Kindern und Jugendlichen ist hier ein großes Thema.

Mindspace und Beehive legen viel wert auf design und ziehen besondern junge stark Wachstumsorientierte Startups an. Auch hier gibt es häufig Veranstaltungen und Hackathons.

Im Werkheim und Lilienhof tummeln sich viele etablierte Freiberufler auch Zweigstellen bekannter Unternehmen. Auch viele große Unternehmen nutzen die Räume für Meetings, Coachings und Versnataltungen. Der Altersdurchschnitt liegt hier etwas höher.

Die Co-Working Spaces sind in besonderem Maße der Ort, an dem alle erforderlichen Kompetenzen für digitale Projekte einander treffen und kennen lernen können und der Ort, an dem Projekte entstehen. Co-Working Spaces sind der Ideale Ort für Netzwerkveranstaltungen.

Technologie und Gründerzentren, Inkubatoren

Sind geförderte Orte, an dem Existenzgründer und junge Unternehmen aktiv unterstützt werden. Der Fokus liegt hier auf technologieorientierten Unternhemen. Ähnlich wie im Co-Working Space wird Infrastruktur zur Verfügung gestellt. Die Unternehmen werden aktiv mit Wirtschaft und Hochschulen vernetzt. Die Zentren werden oft auf der grünen Wiese, in Industriegebeieten, in Bürovierteln oder Campusnähe errichtet. Das entspricht jedoch meist nicht dem Lifestyle junger Startups, die einen Standort im Stadtzentrum mit lebendigen Ausgeh- und Kulturangeboten bevorzugen. Hier braucht es eine neue, daran angepasste Form, einem Hybrid aus Gründerzentrum und Co-Working Space in Citylage.

Maker Space / Creative Space

Technikbegeisterte, Kreative, Bastler und Künstler nutzen diese Werkstätten, um mit 3D Druckern, Lasercuttern, Plottern und diversen weitern Maschinen ihre Projekte zu bauen. Meist als Verein organisiert wird hier Technik-Knowhow vermittelt. Das Internet der Dinge kommt aus der Szene der Elektronik Bastler, die sich hier trifft. Hier entstehen kreative Ideen und Innovationen. Produkt-Startups entwickeln hier oft ihre Prototypen.

Hackspace und Hacker Dojo

Der Begriff Hacker ist in Deutschland leider noch immer sehr negativ geprägt. Im Silicon Valley geht es hier um Menschen, die sich mit Programmierung von Software und Hardware beschäftigen. In Hamburg gibt es den Chaos Computer Club und den Attraktor, einen Hybrid aus Hackspace und Makerspace. Hier tummeln sich menschen mit vielfältigen digitalen Fähigkeiten, sie tauschen sich aus, entwickeln Projekte, hier finden Workshops zu aktuellen digitalen Trendthemen statt. Ein Ort, an dem digitales Wissen erarbeitet und vermittelt wird. In Hamburg sind die Hackspaces thematisch sehr Modern, versprühen aber noch den Charme der Hackerszene der 80er Jahre. Auf Frauen und Startups wirken unsere Hackspaces oft nicht besonders einladend, was schade ist, zumal sie sich in besonderem Maße für Frauen in der IT einsetzen und es beim CCC auch eine Frauengruppe gibt.

Meetup

Meetup ist ein Social Media Portal über dass offene Gruppentreffen zu verschiedensten Themen an beliebigen Orten organisiert werden können. In Hamburg gibt es hier eine aktive Szene aus dem Bereich der digitalisierung. So gibt es neben Treffen zu Programmierthemen auch unternehmen wie die Hochbahn, die hier ihre digitale Strategit vorstellen und Diskutieren. Die Treffen finden oft in Firmen, Hack-Sapces oder Co-Working-Spaces statt. Es gibt auch Koch-Events und Sporttreffen. Jeder kann ein Meetup veranstalten. Ideal für Firmen und Organisationen ihre Ideen mit der digitalen Szene zu diskutieren.

Barcamp

Workshop in einem Barcamp
Workshop in einem Barcamp

Barcamps sind offene Tagungen zu einem bestimmten Thema. Häufig stellen sich die Teilnehmer zu Beginn sehr kurz vor. Danach bringen die Teilnehmer Ideen ein, welche Workshops sie halten könnten. So entsteht die Agenda für die Konferenz. Barcamps fördern inhaltlichen Austausch und orientieren sich konzeptbedingt von selbst an den Interessen der Teilnehmer.

Hackathon

Kulturhackathon "Coding Davinci" im Mindspace Hamburg
Kulturhackathon „Coding Davinci“ im Mindspace Hamburg

Hackathons sind Wettbewerbe, in denen digitale Lösungen zu einem vorgegebenen Thema entstehen. Thema kann eine bestimmte neue Technologie wie z.B. Übertragung von Sensordaten sein oder ein Themenbereich wie Smart City, Transport oder Flüchtlinge. Im Prinzip kann jeder zum Hackathon einladen. Oft tun dies aber Hackspaces, Vereine und Organisationen. Teilnehmer kommen aus eigeninteresse und setzen sich meist aus Programmierern verschiedenster Fachrichtungen und Kreativen zusammen. Die entstandenen Projekte werden vorgestellt und durch eine Jury oder die Teilnehmer bewertet. Als Preise gibt es meist Sachpreise. Hackathons sind ein gutes Werkzeug, neue Ideen zu generieren und haben in Hamburg lange Tradition.

Startup-Wettbewerbe

Auf Startup Wettbewerben zeigen junge Startups ihre Ideen und Geschäftsmodelle. Investoren suchen hier nach Investitionsmöglichkeiten und Startups nach Geldgebern. Zudem ist dies ein guter Ort, um Presse für Projekte zu bekommen.

Umsetzung funktioniert nur mit intrinsischer Motivation

Was aich immer der Senat hiervon in Hamburg fördern und ausbauen will: Die Motivation dazu muss von innen kommen und dann gefördert werden. Zwei Beispiele:

Die Digitalagentur SinnerSchrader besitzt im Keller einen Proberaum. Er wird heiss geliebt und besonders in stressigen Projektphasen frequentiert. Musik machen hilft dabei, auszuspannen, den Kopf frei zu bekommen und leere Akkus aufzuladen. Der Proberaum macht die Arbeit angenehmer und SinnerSchrader zu einem attraktiveren Arbeitgeber. In einem Konzern sah man dieses Beispiel und wollte es kopieren. Man schieb ein Projekt aus ließ einen optimalen Probereaum bauen und mit hochwertigen Instrumenten bestücken. Doch das Projekt entwickelte sich zum Flop. Das Problem lag im Entstehungsprozess. Im Konzern stellte man den Mitarbeitern einfach einen Proberaum hin und erlaubte den Mitarbeitern die Nutzung. Man bestimmte Mitarbeiter für die Verwaltung und Wartung der Instrumente. Bei SinnerSchrader hingegen hatten Mitarbeiter die Idee zum Proberaum und sie bekamen die Mittel, sie umzusetzen. Sie bauten ihren Proberaum selbst. Dadurch haben sie einen emotionalen Bezug zu diesem Raum, sind stolz auf ihr Baby und sehr engagiert bei allen Themen rund um den Proberaum.

 

 

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