Digitale Bildung in Schulen ja, aber nicht über MINT!

Was hat digitale Bildung mit MINT zu tun? Warum digitale Themen aus Sport, Deutsch, Geschichte, Kunst und Religionsunterricht heraushalten, wo sie doch im Alltag diese Themen prägen?Es gibt Schüler, die haben Lust auf Naturwissenschaften. Andere nicht. Das war schon immer so.  Aber auch wenn ein Computer oder SmartPhone letztlich auf Basis mathematischer und physikalischer Prinzipien funktioniert, nutzen ihn die allerwenigsten Menschen für Mathe oder Physik. Warum also verorten wir digitale Bildung in diesen Fächern? Wohl wissend, dass diese Fächer besonders bei Mädchen noch immer in einen abschreckenden Ruf haben. Dabei wollen wir doch gerade den Frauenmangel in der Informatik endlich beheben! Und nun schicken wir gerade die Mathematik- und Informatiklehrer ins Feld, um den Kids, insbesondere den Mädchen Spaß an Programmierung zu vermitteln. Klingt das nur für mich schräg?

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Calliope Mini – Schulcomputer für ca 16 Euro

Im Kunstunterricht gibt es Farbenlehre am Tuschkasten. Alle Farben zusammen ergeben schwarz. In der Arbeitswelt nutzt man dafür eher Programme am Bildschirm. Und da ergeben alle Farben zusammen weiß. Warum nicht dazu drei farbige LEDs nehmen, ein kleines Programm erstellen, und Lichtfarben mischen?

Im Sport sind Fitnesstracker schwer angesagt. Quantified self heißt das, wenn wir unser Dasein in Zahlen vermessen. Warum nicht eine Stoppuhr programmieren und die Zeiten der Schüler digital erfassen und in eine Tabelle schreiben? Und dann diskutieren, ob man sie online stellen sollte. Was spräche dafür? Was dagegen?

Lehren wir Kids digitale Geräte zu benutzen, machen wir sie zu Konsumenten. Lehren wir sie Programmieren, werden sie zu mündigen Machern.

Programmierung ist mit heutigen Mitteln sehr einfach, bunt und macht Spaß. Mit einem Computer wie auf dem Bild kann man unglaublich viele Dinge machen: Einen Wahlcomputer für die Wahl des Klassensprechers, ein Musikinstrument, man kann damit einen Motor steuern. Die Möglichkeiten sind ähnlich unbegrenzt wie die Themen.

© BMWi/Maurice Weiss
© BMWi/Maurice Weiss

Es ist gar kein Problem, den SchülerInnen das beizubringen. Das können die schneller als Sie Youtube sagen können. Das Problem ist es, den Lehrerinnen und Lehrern der nicht MINT Fächer das Programmieren beizubringen. Und sie überhaupt erstmal davon zu überzeugen, dass es Sinnvoll ist und sich thematisch anbietet. Den abgebildeten Schulcomputer hatten letzte Woche auf dem nationalen IT Gipfel schon Frau Merkel, Herr Gabriel und Herr de Maizière begeistert in Händen und haben ihn auf ihre digitale Agenda geschrieben. Im Saarland wird der Calliope als erstes Pilotprojekt flächendeckend ausgerollt. Wir sollten nun zusehen, dass wir zu den LehrerInnen im Feld gehen. Mit den richtigen Ideen schaffen wir es, sie für die Sache zu begeistern. In dem Fall könnten wir uns das Überzeugen sparen.

Eine Sammlung von Unterrichtsideen finden Sie hier.

Zum Schluss möchte ich noch eine Lanze für Informatiklehrer brechen, bevor ich für meine Einleitung bitterböse Emails erhalte: Informatiklehrer sind maßgeblich mit dafür verantwortlich, dass wir ein so digitales Land werden konnten. Die meisten unter ihnen haben ihre Fähigkeiten unter großem Einsatz privater Zeit erworben.Die Informatiklehrer sind ideale Ansprechpartner, um das nicht-MINT Kollegium technisch zu unterstützen und die Hybridthemen mitzugestalten. Informatikunterricht mit mathematischen Grundlagen sollte es natürlich bitte nach wie vor geben – für alle die Basics und dann tiefergehend für die, die es interessiert.  Ich wünsche mir eine Zukunft in der alle Kids, Jungen wie Mädchen, egal mit welchen Interessen, digital mündig sind.

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