Ulrike Meyer

Leitfaden: So finden Sie das Personal für die digitale Transformation

Um ein Unternehmen bereit zu machen für die digitalen Veränderungen, braucht es kompetente Fachleute. Viele Unternehmen sind gerade auf der Suche – und suchen an der ganz verkehrten Stelle.

Digitale Transformation und Digitalisierung betreffen alle Bereiche eines Unternehmens. Die vielen 4.0 Buzzwords sind sehr abstrakt gefasst. Ich möchte an dieser Stelle nur kurz darauf eingehen. Konkret geht es bei Digitalisierung um vier Punkte:

  • Prozesse im Unternehmen mit digitalen Hilfsmitteln (Software, Computer, Smartphones, Anlagen) zu verbessern oder zu automatisieren (was bereits seit vielen Jahren passiert)
  • Prozesse durch intelligente Vernetzung und Datenaustausch von Menschen, Geräten und Unternehmen zu optimieren
  • Neue datenbasierte Dienste oder Produkte schaffen
  • Neue Geschäftsmodelle, Änderungen in Wertschöpfungsketten auf Basis von Daten entwickeln

Welches Anforderungsprofil muss ein(e) SpezialistIn für Digitalisierung erfüllen?

Ulrike Meyer
Quereinsteigerin: Ulrike Meyer Leiterin Digitale Lösungen bei Willenbrock Fördertechnik

Digitalisierung ist extrem vielfältig aber vor allem eines – sie ist branchenspezifisch. Wer digitalisieren will, braucht vor allem profunde Branchenkenntnis. Digitalisierer müssen wissen, wie der Markt funktioniert, wie die Menschen in diesem Markt ticken, was sie wollen, was sie brauchen. Sie müssen die gesamte Wertschöpfungskette und ihr Ökosystem im Auge haben und verstehen. Besonders den operativen Teil. Es braucht jemanden, der bei vielen Kunden war, die Abläufe und betriebswirtschaftlichen Aspekte kennt und die Sprache der Akteure im Ökosystem spricht. Jemand aus dem Verkauf oder Service zum Beispiel. Idealerweise jemand aus ihrem Unternehmen.

Viele nehmen an, für Digitalisierung brauche es fähige Programmierer.
Das ist richtig – aber nicht auf dieser Position.

Wer digitalisiert, sucht nach Möglichkeiten der Veränderung und denkt sich Lösungen aus, erstellt sie aber nicht selbst. Dafür gibt es Programmierer. Es geht in diesem Job vielmehr darum, zwischen Programmierern und der Unternehmenswelt zu übersetzen. Ideen zu entwickeln, die später von IT Spezialisten umgesetzt werden. Die ideale Person für den Posten ist überdurchschnittlich gut informiert und sehr technikaffin. Sie ist neugierig, hat Spaß daran, neue Technik auszuprobieren und beschafft sich überall neue Ideen.

Sie suchen keine diplomierten Akademiker aus IT oder Betriebswirtschaft. Sie brauchen jemanden, der Digitalisierung lebt, kreativ ist, vielseitig, ein(e) MacherIn.

Ein Grundverständnis für IT ist wichtig um effizient mit IT Leuten arbeiten zu können. Mit Programmierung herumgespielt und ein Grundverständnis dafür zu haben, reicht im Regelfall.

Besonders wichtig ist eine strukturierte und sorgfältige Arbeitsweise. Für Lösungen müssen Anforderungen präzise dokumentiert und Projekte geleitet und koordiniert werden. Teamfähigkeit und überdurchschnittliches Kommunikationstalent sind ebenso ein Muss. Verhandeln und Netzwerken sind wichtig.

Sie müssen loslassen.

Wer ein Unternehmen digitalisiert, braucht Freiheit, muss alles denken und durchspielen dürfen. Abteilungsübergreifend. Die Position der Digitalisierung untersteht sinnigerweise direkt der Unternehmensführung und braucht viel Rückendeckung. Denn wer digitalisiert, wird zwangsläufig Ideen haben, die andere im Unternehmen als bedrohlich empfinden. Rückendeckung auch, weil die Erfolge oft strategischer Natur sind und sich nicht immer sofort in Zahlen ausdrücken. Das Unternehmen muss dahinterstehen.

IT Abteilungen sind oft der erste und zugleich der falscheste Ort für die Suche nach digitalisierern: Sie sind auf ganz andere Dinge spezialsiert. In mittelständischen Unternehmen sind die IT Abteilungen sogar zumeist die größten Bremser: Viele Digitalisierer stoßen mit der IT zusammen und erhalten auf all ihre Ideen und Anliegen ein Nein. Das ist nicht verwerflich. Die Aufgabe der IT ist es, mit einem möglichst geringen Budget Computer, Infrastruktur und Maschinen zu betreiben. Für zusätzliche Projekte sind gar keine Ressourcen da. Diesen inhärenten Interessenskonflikt muss man berücksichtigen. Viele Projekte brauchen unterschiedliche Spezialisten. Daher macht es Sinn, für verschiedene Themen unterschiedliche externe Dienstleister ins Boot zu holen. Bei der Auswahl der Spezialisten sollte man als DigitalisiereIn freie Hand haben, auch wenn die Unternehmens-IT in Sachen Betrieb und Sicherheit ein Wörtchen mitzusprechen haben muss.

Das Wichtigste zum Schluss: Wer effizient digitalisieren will, muss vor allem durchsetzungsfähig sein und über eine gehörige Portion diplomatischen Geschickes verfügen.

Diesen Artikel teilen